Boris Becker hat mit großer Empörung auf die Kritiker reagiert, die Alexander Zverevs vermeintlich leichten Weg zum Titel bei den US Open herausstellen. „Er kann immer nur den Gegner schlagen, gegen den er auf dem Platz antreten muss“, sagte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger in seinem Podcast mit Andrea Petkovic: „Ich finde es eigentlich eine bodenlose Frechheit und eine unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber seiner Leistung.“
Der Weltranglistenerste Jannik Sinner hatte beim letzten Major des Jahres mit Kniebeschwerden gefehlt, Carlos Alcaraz war bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause im Viertelfinale an Zverevs späterem Finalgegner Ben Shelton gescheitert. Der US-Amerikaner war der einzige Top-10-Spieler, den Zverev auf dem Weg zum Titel schlug. „Der steht zum dritten Mal in Folge im Finale eines Grand Slams“, sagte Becker: „Jetzt muss man ihm im Herbst seiner Karriere den Respekt zollen, den er verdient.“
Nur wenige Monate nach seinem erlösenden Triumph bei den French Open hatte Zverev durch den 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2-Erfolg gegen Shelton den zweiten Majortitel seiner Karriere gewonnen. Zuvor hatte sich Becker 1989 als einziger Deutscher bei den US Open durchgesetzt. In der Weltrangliste liegt Zverev nur noch 1810 Punkte hinter Spitzenreiter Sinner. „Ich glaube, er hat jetzt eine Riesenchance auf dem Weg nach Turin“, sagte Becker. Vom 15. bis zum 22. November finden in Italien die ATP Finals statt.
An den derzeitigen Auftritten von Zverev habe er lediglich „einen Kritikpunkt“, führte Becker (58) weiter aus: „Dieses ewige Balltippen beim zweiten Aufschlag, bitte. Ich wurde hektisch beim Kommentieren.“
Beim ersten Aufschlag haben die Profis 25 Sekunden Zeit, beim zweiten Service gibt es keine Einschränkung. Bei den US Open tippte Zverev den Ball immer wieder sehr oft auf, irritierte so auch seine Gegner. „Man braucht dringend eine Regeländerung, wie lange der Spieler Zeit hat vor dem zweiten Aufschlag“, sagte Becker, der das Turnier in New York als TV-Experte begleitet hatte.