TERV nach DESG-Vorstoß sauer: „An Frechheit kaum zu überbieten“

TERV nach DESG-Vorstoß sauer: „An Frechheit kaum zu überbieten“
Präsident der DESG: Matthias Große
picture-alliance/Matthias Koch/SID

Im Streit um den Bundesstützpunkt Erfurt hat der Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV) nach einem Vorstoß der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) energisch widersprochen. „Wir sind erschüttert über die erneute Lüge, die mit kaum zu überbietender Frechheit in die Welt gesetzt wurde“, sagte TERV-Vizepräsident Peter Rüberg dem SID.

In einer Mitteilung hatte die DESG am Dienstag behauptet, dass das am 7. Juli im Rahmen eines gemeinsamen Dialogs vereinbarte Moratorium vom TERV einseitig aufgekündigt worden sei. Das wollte Rüberg so nicht stehen lassen: „Wenn jemand überhaupt dieses Moratorium gebrochen hat, dann die DESG selbst, weil sie bis zum heutigen Tage keine Athletinnen und Athleten vom Bundesstützpunkt Erfurt zu zentralen Maßnahmen eingeladen hat, die die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben haben. Aber genau das war ja der Inhalt des Moratoriums, den Athleten Sicherheit zu geben, Zeit zu geben. Das jetzt umzudrehen, ist an Frechheit und an Unverschämtheit kaum zu überbieten.“

Die Vereinbarung war nach einem Krisentreffen in Berlin unter Vermittlung von Thüringens Sportminister Stefan Gruhner zustande gekommen. Vertreter von DESG, TERV, DOSB, Athleten und Politik hatten sich damals auf einen „konstruktiven Dialog“ verständigt. Kern der Einigung war ein Moratorium, wonach die strittigen Punkte der Athletenvereinbarungen bis zu einer Entscheidung über die künftige Stützpunktstruktur ausgesetzt werden sollten.

„Dieses Moratorium umfasst eben nur die Athletenvereinbarung und nichts anderes“, betonte Rüberg: „Wir können nichts weiter tun, als zunächst mit einer Unterlassungserklärung zu reagieren. Aber das hilft den Sportlern wieder mal auch nicht weiter. Es wäre schön, wenn jetzt endlich das Bundeskanzleramt mal ein Machtwort sprechen würde. Wir warten händeringend auf eine Entscheidung.“

Eisschnellläufer Hendrik Dombek, Mitglied des Präsidiums bei Athleten Deutschland, reagierte „irritiert. Die DESG eskaliert einfach weiter, wir können das nicht nachvollziehen als Athletinnen und Athleten, weil wir ja eigentlich vereinbart hatten bis zum Ende der Strukturgespräche, dass keine Eskalation folgt“, sagte der 29-Jährige dem SID. „Wir haben uns als Athleten daran gehalten. Was der TERV macht, ist am Ende ja auch nur die Wahrnehmung seiner Mitgliedsrechte.“

Es sei „natürlich schwer, unter diesem Druck den Sport auszuüben“, so Dombek. Er „hoffe sehr“, dass bei der außerordentlichen Mitgliedsversammlung am 17. Oktober „eine Abwahl dieses Präsidiums stattfindet“, wie es auch der TERV gefordert hatte, „und wir dann gemeinsam mit allen Athleten aus Deutschland und den Mitgliedern neu durchstarten können, weil so ist es einfach schwer zu ertragen.“ Es sei „einfach Willkür, was hier gelebt wird“, meint Dombek.

Hintergrund des Konflikts ist der seit Monaten schwelende Streit um die Zukunft des Stützpunkts Erfurt und die neue Athletenvereinbarung der DESG. Mehrere Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer hatten eine Zusatzvereinbarung gefordert, die den Standort Erfurt absichern sollte. Die DESG lehnte dies ab, zuletzt stellte sie den betroffenen Athletinnen und Athleten, die bei einer Nichtunterzeichnung Nachteile für Kaderstatus und Förderung befürchten, eine neuerliche Deadline für den 8. Oktober. Zugleich stemmten sich die Erfurter gegen Pläne, sich den anderen Leistungszentren in Inzell oder Berlin anzuschließen.

Als das Moratorium im Juli vereinbart wurde, hatten Politik und Sportorganisationen auf eine Deeskalation gehofft. Thüringens Sportminister Gruhner sprach damals von einer „tragfähigen Zwischenlösung im Interesse der Athletinnen und Athleten“. Auch aus dem Bundeskanzleramt war von einem „guten Stand“ die Rede. Athleten Deutschland hatte hingegen bereits gewarnt, die Vereinbarung schaffe zwar Entlastung, löse aber nicht den grundlegenden Konflikt, sondern verschiebe ihn lediglich.


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