Der finnische Eishockeyverband will „mit allen möglichen Mitteln“ eine Rückkehr Russlands bei internationalen Turnieren verhindern und wirbt um Unterstützung für eine Boykottdrohung. „Wir versuchen derzeit, so viele Länder wie möglich hinter einer gemeinsamen Front zu versammeln, um der IIHF mitzuteilen, dass keiner von uns in der aktuellen Situation gegen Russland spielen wird“, sagte Verbandspräsident Heikki Hietanen in einer Mitteilung am Montagabend.
Man werde „nicht gegen Russland spielen, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert“, präzisierte Hietanen. Finnland reagierte damit auf die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, Russland wieder zu den Wettbewerben des Eishockey-Weltverbandes IIHF zuzulassen. Dies gilt auch für die anstehende Männer-WM in Deutschland (13. bis 30. Mai 2027). Am Montag war es indes nicht die erste finnische Antwort auf die jüngsten Ereignisse. Schon am Nachmittag hatte die Stadt Turku mitgeteilt, dass sie die Weltmeisterschaft der U20-Junioren 2027 im Falle einer Teilnahme Russlands nicht wie geplant ausrichten werde.
„Solange Russland einen Angriffskrieg in der Ukraine führt, können wir nicht akzeptieren, dass die russische Nationalmannschaft in Turku spielt“, erklärte Bürgermeisterin Piia Elo. Die Stadt hoffe, dass die IIHF und der finnische Staat „eine Lösung finden, die eine Teilnahme Russlands verhindert. Wenn die Spiele ohne Beteiligung Russlands stattfinden, wird Turku sie gern ausrichten.“
Russland war nach seinem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 von allen IIHF-Wettbewerben ausgeschlossen worden. Nachdem der russische Eishockeyverband RIHF Berufung eingelegt hatte, ordnete der CAS am vergangenen Freitag aber die Wiederzulassung zu internationalen Wettbewerben an, darunter die WM 2027 in Deutschland. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) erwägt momentan gar eine Rückgabe des Heimturniers und verweist unter anderem auf enorme Mehrkosten im Zuge einer Zulassung.
Das erste Turnier, bei dem Russland wieder teilnahmeberechtigt ist, ist die U20-Weltmeisterschaft rund um den anstehenden Jahreswechsel in Kanada (26. Dezember bis 5. Januar). Die Kanadier kündigten jedoch an, dem russischen Team die Einreise zu verweigern. Das darauffolgende U20-Turnier 2027/2028 soll in den finnischen Städten Turku und Tampere stattfinden.