Manuel Neuer wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen und beleidigt – doch seinen wohl letzten Auftritt auf Schalke wollte sich der 40-Jährige partout nicht verderben lassen. Er werte dies „als Kompliment. Das ist Liebe“, sagte der Kapitän des FC Bayern mit einem Schmunzeln über die Anhänger seines Herzensvereins.
Es sei, fügte er nach dem enttäuschenden 0:0 beim aufmüpfigen Aufsteiger tapfer an, „immer schön, hierhin zurückzukehren. Ich habe 20 Jahre für diesen Verein gespielt. Meine ganze Familie war da. Es war trotzdem ein sehr emotionaler Moment für mich, etwas ganz Besonderes.“
Der Münchner Sportvorstand Max Eberl konnte die teils abfälligen Reaktionen der Schalker Fans allerdings gar nicht verstehen. „Sie sollten stolz sein, dass sie so einen großartigen Jungen in ihrer Knappenschmiede ausgebildet haben, der dann eben Schritte in den Weltfußball getan hat, Welttorhüter geworden ist, Weltmeister geworden ist. Da gehören sich diese Kraftausdrücke nicht“, schimpfte Eberl und fügte an: „Man kann pfeifen, weil man gegen Bayern ist, weil man das Spiel für Schalke ziehen möchte, aber diese Ausdrücke brauchen sie nicht.“
Ähnlich sah es S04-Sportvorstand Frank Baumann. „Dass Manu ein Schalker Herz hat, das hat er immer wieder betont. Deshalb finde ich es grundsätzlich schon schade. Da hätte ich mir schon etwas anderes gewünscht“, sagte der 50-Jährige bei Bild.
2011 war Neuer zum deutschen Rekordmeister gewechselt und hatte dort in den vergangenen 15 Jahren alles gewonnen. Doch immer wieder unterstrich der Weltmeister von 2014 auch seine spezielle Beziehung zum FC Schalke 04. Deshalb hatte vor Anpfiff auch Schalke-Legende Olaf Thon gehofft, „dass er nicht ausgebuht wird, sondern dass man seine Leistung als weltbester Torwart respektiert und akzeptiert“. Weit gefehlt.
Doch Neuer ließ sich nach der Partie nichts anmerken. Nur eines störte den Bayern-Keeper dann doch: „Leider konnten wir unsere wenigen Großchancen nicht nutzen. Ein Sieg hätte sehr gutgetan.“
Für den 40-Jährigen wird es der „sehr wahrscheinlich“ letzte Auftritt auf Schalke gewesen sein. „Ich habe in den vergangenen Wochen schon öfter über meine Zukunft gesprochen“, sagte Neuer. Er rechne „nicht damit, dass ich in der Veltins-Arena noch einmal auflaufen werde“.